Ein Nachtrag zu "Gewalt" und "Anonymer Brief: Ausbildner terrorisiert immer noch Lehrlinge"
Schon wieder lag anonyme Post in meinem Briefkasten. Und schon wieder ging es um den ehemaligen Chefausbildner der Brunau-Stiftung. Der Handschrift nach zu urteilen, war es definitiv jemand anders. Diesmal handelte es sich um den Ausdruck einer Website mit dem Vermerk: "Stimmt nicht, Herr V ist nicht bei Arcoidis, er ist selbständiger Therapeut."
Zunächst einmal: Beides ist korrekt. Er arbeitet definitiv bei der Stiftung Arcoidis, scheint aber gleichzeitig noch als selbständiger "Lebensberater" aufzutreten. Soweit ich informiert bin, leitet er zudem auch immer noch überbetriebliche Kurse (üK's) über die IGKG. Das mag etwas komisch klingen, ist aber typisch für diese Person: Er mischt überall mit, leistet aber nirgends anständige Arbeit.
Der Besuch seiner Lebensberater-Website bestätigt dies: Die Website ist offensichtlich selbst gebastelt - und ich verwende hier ganz bewusst den Begriff "gebastelt", denn eine anständige Webpräsenz sieht anders aus. Die Texte sind typisch für seine Art zu schreiben: Wohlklingend, aber inhaltlich nichtssagend, durchsetzt mit offensichtlichen Sinn- und Logikfehlern und falscher Konjugation. Das einzig professionelle an dieser ganzen Geschichte scheint sein Honorar zu sein. - Das liegt bei 120 Franken pro Stunde.
Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass er mit einem derart unprofessionellen Webauftritt viele Klienten gewinnen kann, gefällt mir die Idee überhaupt nicht, dass jemand seines Charakters als Therapeut auftritt. Leute, die Probleme haben und jemanden suchen, mit dem sie diese untersuchen können und dabei womöglich sehr intime Geheimnisse über sich preisgeben, sind mit diesem Kerl denkbar schlecht bedient. Ich bin deshalb zum Schluss gekommen, dass er aus dem Verkehr gezogen werden muss.
Das kann ich aber unmöglich alleine tun. Nur wenn mehrere Leute von ihren negativen Erlebnissen mit dieser Person berichten, wird das Ganze glaubhaft. Dann erst können wir ihn öffentlich beim Namen nennen, dann erst werden die Medien bereit sein, in dieser Sache zu berichten. Und wenn sie damit erst einmal anfangen, davon bin ich überzeugt, werden sie auf weitere Geschichten stossen, die womöglich noch weit über das hinausgehen, was wir mit ihm erlebt haben.
Deshalb hier ein erneuter Aufruf: Meldet euch bei mir! Und das am liebsten per Mail oder Telefon. Anonyme Briefe haben den Nachteil, dass man keine Rückfragen stellen kann. Ich kann eure Angst nachfühlen, aber denkt dran: Ich stehe auf der gleichen Seite wie ihr und habe keinen Grund, euch irgendwie zu schaden. Wenn ihr anonym bleiben wollt, geht das auch in Ordnung. Namen können für Zeitungsartikel geändert werden.
Es wäre übrigens auch interessant zu erfahren, wie sich dieser Herr vor seiner Brunau- und Arcoidis-Zeit so verhalten hat. Scheinbar hat er beispielsweise eine Zeit lang beim "Zokl1", einer Methadonklinik der Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen (ARUD) in Zürich Aussersihl gearbeitet. Hat er damals auch schon Leute schikaniert? Hat er damit womöglich die psychische Stabilität von Drogenkonsumenten gefährdet? Wenn ja, immer her mit den Infos. Ihr wisst, wie ihr mich erreichen könnt:
david.siems(ät)selbstbestimmung.ch
Siehe auch
Anonymer Brief: Ausbildner terrorisiert immer noch Lehrlinge
Gewalt
Donnerstag, 13. Dezember 2012
Montag, 3. Dezember 2012
Anonymer Brief: Ausbildner terrorisiert immer noch Lehrlinge
Ein Nachtrag zu "Gewalt"
![]() |
| "Das Schwein ist nicht mehr in der Brunau. Er macht jetzt Lernende bei Arcoidis zur Sau."* |
Am 9. April diesen Jahres berichtete ich an dieser Stelle
aus meiner von Psychoterror, Diffamierung und Ausbeutung geprägten Lehrzeit in
der Brunau-Stiftung. Neulich lag nun ein anonymer Brief in meiner Post. Es
handelte sich um einen Auszug aus eben diesem Blog-Artikel, in dem das
Satzfragment "Chefausbildner, einem schleichig-schmierigen Typen."
gelb markiert war. Daneben stand der handschriftliche Vermerk: "Das
Schwein ist nicht mehr in der Brunau. Er macht jetzt Lernende bei Arcoidis zur
Sau."
Zunächst einmal möchte ich Ihnen, lieber Verfasser, dafür
danken, dass Sie mir geschrieben haben. Die Tatsache, dass Sie so viel Wert
darauf gelegt haben, anonym zu bleiben, zeigt, dass Sie zwar einerseits Angst
vor Repressalien haben, die Situation aber andererseits so belastend für Sie
ist, dass Sie mich trotzdem informieren mussten. Deshalb: Hut ab vor Ihrem mutigen
Schritt! Ich habe übrigens Ihre Angaben überprüft und kann sie bestätigen: Es
handelt sich um das selbe "Schwein".
Ihre Angst kann ich nachvollziehen, da ich selber wieder und
wieder mit Lehrabbruch und anderen Repressalien bedroht wurde. Ich habe dann
jeweils den Mund gehalten, in der Hoffnung, endlich in Ruhe gelassen zu werden.
Und genau das war wohl mein eigentlicher Fehler. Denn selbstverständlich wurden
ich und die anderen Opfer (Lehrlinge und Mitarbeiter) nach jeder erfolgreichen
Einschüchterung noch penetranter belästigt und schikaniert. Solche Leute sind wie
Krebs: Sie leben davon, andere zu zerstören. Das ist ihre Nahrung, das gibt
ihnen Kraft.
Aber wissen Sie, was passiert ist, nachdem ich diesen
Blog-Artikel online gestellt habe? Ich hatte ein Telefongespräch mit einem
offiziellen Vertreter der Brunau-Stiftung, der die Löschung des Artikels von
mir verlangte und mich "darauf hinwies", dass die Brunau mich
verklagen könnte, falls ich das nicht tun würde. Ich gab ihm zu verstehen, dass
ich den Artikel stehen lasse und sie mich ruhig verklagen sollen. Das war Ende
August. Bis jetzt habe ich weder eine Abmahnung noch eine Vorladung bekommen.
Und warum? Weil sowohl die Verantwortlichen der Brunau, als auch das
"Schwein" ganz genau wissen, dass sich damit nur das Risiko erhöhen
würde, dass weitere Opfer ihr Schweigen brechen. Und genau das geschieht ja
auch. Sie sind nämlich nicht der erste, der sich in dieser Angelegenheit an
mich gewendet hat. Sie sehen: Die Macht dieser Leute endet in dem Moment, in
dem man sein Schweigen bricht.
Deshalb hier mein Angebot: Wenn Sie den Mut finden, mich
direkt zu kontaktieren, sodass wir uns austauschen können, garantiere ich dafür,
dass ich Sie mit all meinen Kontakten und meinem Wissen unterstützen werde. Darüber
hinaus können Sie sich darauf verlassen, dass ich alles, was Sie mir sagen,
vertraulich behandeln werde.
Sie können mich unter david.siems(ät)selbstbestimmung.ch
erreichen.
Im Übrigen wünsche ich Ihnen ein dickes Fell und scharfe
Krallen. Die werden Sie so oder so gut brauchen können. Also: Hoffentlich bis bald!
*Das Schriftbild auf dem Foto wurde von mir verfremdet, um
die Anonymität des Verfassers zu gewährleisten.
Siehe auch
Montag, 20. August 2012
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Samstag, 9. Juni 2012
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Montag, 9. April 2012
Gewalt
Ich war Anfang 19 und mitten in meiner Berufslehre in der Brunau-Stiftung, einer von der IV finanzierten Institution, die geschützte Ausbildungs- und Arbeitsplätze anbietet. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich im Sekretariat. Unsere Abteilungsleiterin war extrem launisch. In einer Sekunde gab sie kokette Sprüche von sich, in der nächsten war sie plötzlich extrem arrogant und aggressiv. Eine Lehrtochter wurde mal von ihr verhört, weil sie fand, sie hätte sie "zu fest" angesehen.
Wir waren - wie die meiste Zeit in dieser Abteilung - mit Versandarbeit beschäftigt. Das hiess, dass wir den ganzen Tag Broschüren oder Einzahlungsscheine falteten und in Couverts verpackten. Weil diese Arbeit so monoton war und jeweils mehrere Wochen am Stück kaum etwas anderes zu tun war, durften wir uns während dem Verpacken unterhalten. Plötzlich und ohne ersichtlichen Grund wies uns die Abteilungsleiterin an, den Versand in einem lehrstehenden Büro ausserhalb des Sekretariates fortzuführen. Mich aber wollte sie im Büro behalten. Ich würde zu viel reden, weshalb sie mich im Auge behalten wolle. Kaum waren die andern weg und die Türe geschlossen, beugte sie sich über ihren Schreibtisch, sodass ihr Fallobst darüber baumelte. In einer eindeutigen Tonlage sagte sie zu mir: "Sie sind doch gerne mit mir alleine." Ich war etwas baff und antwortete: "Ähm, nein." Dieses "nein" hatte schwerwiegende Folgen für mich. In einem harschen Ton wies sie mich an, zurück an die Arbeit zu gehen.
Keine Woche später hatte ich ein Disziplinarverfahren (so jedenfalls verkaufte sie es mir) am Hals, weil ich zu viel mailen würde und die "gängigen Regeln von Kommunikation und Anstand" verletzen würde. Was sie mit dem zweiten Punkt meinte, konnte sie mir nicht erklären. Sie bedrohte mich aber mit Lehrabbruch, falls ich dieses Fehlverhalten nicht ändern würde. Sie zerrte mich dann noch zum Chefausbildner, einem schleichig-schmierigen Typen. Gemeinsam redeten sie ca. zwei Stunden auf mich ein, bis ich das Formular unterzeichnete. Von da an versuchte sie mich bei jeder Gelegenheit zu provozieren, wies mir sinnlose Aufgaben zu, oder aber sie liess mich - mit meinem kranken Herzen - schwere Kisten rumschleppen, nur um mich anschwärzen zu können, wenn ich danach seufzte oder einen Schmerzlaut von mir gab.
Ich trat kurzer Hand der Gewerkschaft Unia bei und informierte meine Abteilungsleiterin und den Chef-Ausbildner darüber. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon über zwei Jahre in diese Lehrstelle investiert und wollte mich nicht so einfach abschiessen lassen. Ausserdem ging ich zum Geschäftsführer und versuchte ihn über die Ereignisse zu orientieren. Allerdings konnte ich kaum einen vollständigen Satz formulieren, ohne von ihm unterbrochen zu werden. er zauberte ein ein Jahr altes Email aus dem Hut, in dem ich mich mit einem Mitarbeiter solidarisch gezeigt hatte, der auf unschöne Weise hinaus geekelt wurde. Er gab mir zu verstehen, dass die Sache "jetzt in Ordnung" sei. Und tatsächlich: Das unbefristete Disziplinarverfahren verlief im Sand. Warum genau, sei dahingestellt.
Vorbei war die Sache damit aber noch lange nicht. Aus irgend einem Grund entwickelte der Chef-Ausbildner, der mit der ganzen Sache ja eigentlich nur am Rande zu tun hatte, nach dieser Geschichte eine wachsende Intim-Feindschaft gegen mich. Er schnüffelte in meinem privaten Emailverkehr herum und schwärzte mich immer wieder bei der IV-Berufsberatung an, dass ich zum Beispiel nicht grüssen würde und ein Minimalist sei, obwohl ich im Betrieb als sehr hilfsbereit galt und immer wieder Sonderaufgaben übernahm. Irgendwann begann er damit, mich, wenn wir uns auf dem Gang begegneten und keine Zeugen da waren, an zu pöbeln. In Gesellschaft gab er sich mir gegenüber dafür demonstrativ freundlich. Er kam auch gerne mal zu uns ins Büro, stützte sich von hinten auf meinem Stuhl ab und schaute über meine Schultern in meinen Bildschirm. Das waren wohl die unangenehmsten Momente, wenn dieser schmierige Widerling mich von hinten anatmete.
Aber ich konnte nichts dagegen unternehmen. Betriebsintern wollte mir niemand zuhören, geschweige denn glauben, weil scheinbar niemand seine schmierige Fassade durchschauen konnte - oder wollte. Meiner IV-Berufsberaterin war das Ganze schlicht egal. Ich hatte ihr alles erzählt und sie glaubte mir auch. Aber nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es zu keinen körperlichen Übergriffen gekommen war, stellte sie sich auf den Standpunkt, dass ich als Behinderter schliesslich froh sein könne, dass mich die netten Leute von der Brunau-Stiftung ausbilden und ich mir das deswegen gefallen zu lassen habe. - Das ist nicht sarkastisch gemeint, sie sah das so. Ich hätte höchstens die Unia einschalten und vors Arbeitsgericht gehen können. Davon rieten mir allerdings verschiedene Beratungsstellen ab, weil die Beweislage bei dieser Art von Mobbing/Stalking extrem schwierig, die Prozesse langwierig, kräfteraubend und wenig erfolgversprechend seien. Das hätte keinen Sinn gemacht.
So stand ich diesen Psychoterror also geschlagene zwei Jahre lang durch und schaffte mit letzter Kraft den Lehrabschluss - mit Auszeichnung. Der Chef-Ausbildner vermochte es nicht, seinen Ärger darüber zu verbergen. Er hatte wohl damit gerechnet, dass ich irgendwann zusammenbrechen oder die Contenance verlieren würde, so wie seine bisherigen Opfer.
Warum erzähle ich Ihnen das? Zum einen weil ich schon lange das Bedürfnis zu diesem Befreiungsschlag habe, mir aber bislang die nötige Distanz zu diesen Ereignissen fehlte. Zum anderen möchte ich Ihnen etwas verständlich machen: Wenn körperliche Missbräuche an Behinderten, Kindern oder Betagten öffentlich werden, regen wir uns ausgiebig und ungehemmt darüber auf. Was ich Ihnen hier gerade beschrieben habe, ist hingegen Alltag und wird von Institutionen wie auch von Behörden toleriert, in gewisser Weise sogar gefördert. Man muss sich als Krüppel alles gefallen lassen. Solange man nicht angefasst wird, hat man keine Chance, es zu beenden.
Ist das nicht total verlogen? Und: Wenn wir dem psychischen Missbrauch gegenüber so tolerant sind, ist es dann verwunderlich, wenn die Täter irgendwann von der psychischen auf die körperliche Gewalt wechseln? Sadismus ist eine Sucht, eine krankhafte Neigung. Und wie bei jeder Sucht muss der Suchtkranke die Dosis immer weiter steigern, um den selben Kick zu erleben.
Wir waren - wie die meiste Zeit in dieser Abteilung - mit Versandarbeit beschäftigt. Das hiess, dass wir den ganzen Tag Broschüren oder Einzahlungsscheine falteten und in Couverts verpackten. Weil diese Arbeit so monoton war und jeweils mehrere Wochen am Stück kaum etwas anderes zu tun war, durften wir uns während dem Verpacken unterhalten. Plötzlich und ohne ersichtlichen Grund wies uns die Abteilungsleiterin an, den Versand in einem lehrstehenden Büro ausserhalb des Sekretariates fortzuführen. Mich aber wollte sie im Büro behalten. Ich würde zu viel reden, weshalb sie mich im Auge behalten wolle. Kaum waren die andern weg und die Türe geschlossen, beugte sie sich über ihren Schreibtisch, sodass ihr Fallobst darüber baumelte. In einer eindeutigen Tonlage sagte sie zu mir: "Sie sind doch gerne mit mir alleine." Ich war etwas baff und antwortete: "Ähm, nein." Dieses "nein" hatte schwerwiegende Folgen für mich. In einem harschen Ton wies sie mich an, zurück an die Arbeit zu gehen.
Keine Woche später hatte ich ein Disziplinarverfahren (so jedenfalls verkaufte sie es mir) am Hals, weil ich zu viel mailen würde und die "gängigen Regeln von Kommunikation und Anstand" verletzen würde. Was sie mit dem zweiten Punkt meinte, konnte sie mir nicht erklären. Sie bedrohte mich aber mit Lehrabbruch, falls ich dieses Fehlverhalten nicht ändern würde. Sie zerrte mich dann noch zum Chefausbildner, einem schleichig-schmierigen Typen. Gemeinsam redeten sie ca. zwei Stunden auf mich ein, bis ich das Formular unterzeichnete. Von da an versuchte sie mich bei jeder Gelegenheit zu provozieren, wies mir sinnlose Aufgaben zu, oder aber sie liess mich - mit meinem kranken Herzen - schwere Kisten rumschleppen, nur um mich anschwärzen zu können, wenn ich danach seufzte oder einen Schmerzlaut von mir gab.
Ich trat kurzer Hand der Gewerkschaft Unia bei und informierte meine Abteilungsleiterin und den Chef-Ausbildner darüber. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon über zwei Jahre in diese Lehrstelle investiert und wollte mich nicht so einfach abschiessen lassen. Ausserdem ging ich zum Geschäftsführer und versuchte ihn über die Ereignisse zu orientieren. Allerdings konnte ich kaum einen vollständigen Satz formulieren, ohne von ihm unterbrochen zu werden. er zauberte ein ein Jahr altes Email aus dem Hut, in dem ich mich mit einem Mitarbeiter solidarisch gezeigt hatte, der auf unschöne Weise hinaus geekelt wurde. Er gab mir zu verstehen, dass die Sache "jetzt in Ordnung" sei. Und tatsächlich: Das unbefristete Disziplinarverfahren verlief im Sand. Warum genau, sei dahingestellt.
Vorbei war die Sache damit aber noch lange nicht. Aus irgend einem Grund entwickelte der Chef-Ausbildner, der mit der ganzen Sache ja eigentlich nur am Rande zu tun hatte, nach dieser Geschichte eine wachsende Intim-Feindschaft gegen mich. Er schnüffelte in meinem privaten Emailverkehr herum und schwärzte mich immer wieder bei der IV-Berufsberatung an, dass ich zum Beispiel nicht grüssen würde und ein Minimalist sei, obwohl ich im Betrieb als sehr hilfsbereit galt und immer wieder Sonderaufgaben übernahm. Irgendwann begann er damit, mich, wenn wir uns auf dem Gang begegneten und keine Zeugen da waren, an zu pöbeln. In Gesellschaft gab er sich mir gegenüber dafür demonstrativ freundlich. Er kam auch gerne mal zu uns ins Büro, stützte sich von hinten auf meinem Stuhl ab und schaute über meine Schultern in meinen Bildschirm. Das waren wohl die unangenehmsten Momente, wenn dieser schmierige Widerling mich von hinten anatmete.
Aber ich konnte nichts dagegen unternehmen. Betriebsintern wollte mir niemand zuhören, geschweige denn glauben, weil scheinbar niemand seine schmierige Fassade durchschauen konnte - oder wollte. Meiner IV-Berufsberaterin war das Ganze schlicht egal. Ich hatte ihr alles erzählt und sie glaubte mir auch. Aber nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es zu keinen körperlichen Übergriffen gekommen war, stellte sie sich auf den Standpunkt, dass ich als Behinderter schliesslich froh sein könne, dass mich die netten Leute von der Brunau-Stiftung ausbilden und ich mir das deswegen gefallen zu lassen habe. - Das ist nicht sarkastisch gemeint, sie sah das so. Ich hätte höchstens die Unia einschalten und vors Arbeitsgericht gehen können. Davon rieten mir allerdings verschiedene Beratungsstellen ab, weil die Beweislage bei dieser Art von Mobbing/Stalking extrem schwierig, die Prozesse langwierig, kräfteraubend und wenig erfolgversprechend seien. Das hätte keinen Sinn gemacht.
So stand ich diesen Psychoterror also geschlagene zwei Jahre lang durch und schaffte mit letzter Kraft den Lehrabschluss - mit Auszeichnung. Der Chef-Ausbildner vermochte es nicht, seinen Ärger darüber zu verbergen. Er hatte wohl damit gerechnet, dass ich irgendwann zusammenbrechen oder die Contenance verlieren würde, so wie seine bisherigen Opfer.
Warum erzähle ich Ihnen das? Zum einen weil ich schon lange das Bedürfnis zu diesem Befreiungsschlag habe, mir aber bislang die nötige Distanz zu diesen Ereignissen fehlte. Zum anderen möchte ich Ihnen etwas verständlich machen: Wenn körperliche Missbräuche an Behinderten, Kindern oder Betagten öffentlich werden, regen wir uns ausgiebig und ungehemmt darüber auf. Was ich Ihnen hier gerade beschrieben habe, ist hingegen Alltag und wird von Institutionen wie auch von Behörden toleriert, in gewisser Weise sogar gefördert. Man muss sich als Krüppel alles gefallen lassen. Solange man nicht angefasst wird, hat man keine Chance, es zu beenden.
Ist das nicht total verlogen? Und: Wenn wir dem psychischen Missbrauch gegenüber so tolerant sind, ist es dann verwunderlich, wenn die Täter irgendwann von der psychischen auf die körperliche Gewalt wechseln? Sadismus ist eine Sucht, eine krankhafte Neigung. Und wie bei jeder Sucht muss der Suchtkranke die Dosis immer weiter steigern, um den selben Kick zu erleben.
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